Perspektiven schaffen – drogenfrei leben – nachhaltig wirtschaften

Prüfung zur Verkäuferin bestanden!

Angy lebt seit 2014 auf Hof Fleckenbühl und hat die erste Zeit bei der Landschaftspflege mitgearbeitet. Schon seit sie denken kann, war ihr die Nähe zur Natur sehr wichtig.

Die eineinhalb Jahre in der Landschaftspflege waren für sie eine sehr intensive Zeit, die mit einer Menge Spaß, Kraft schöpfen und zur Ruhe kommen verbunden war. Ihr Bereichsleiter Klaus Renner vermittelte ihr eine klare Struktur und brachte ihr das Leben auf dem Hof näher.

Im Bereich lebte Angy sich sehr schnell ein und gehörte schon bald fest „zum Inventar“. Mit ihrem einzigen Kollegen geriet sie allerdings immer wieder in Streit, wie ein altes Ehepaar zankten sich die beiden regelmäßig, vertrugen sich aber auch genauso schnell wieder.

Als für Klaus die Urlaubszeit anstand, ermöglichte er Angy ein zweiwöchiges Praktikum in unserem Hofladen. Damit wollte er in weiser Voraussicht verhindern, dass sich seine beiden Mitarbeiter in der Zeit zu sehr zanken.

Die Praktikumszeit hat Angy sehr viel Spaß gemacht – sie konnte all das, was sie schon immer gerne tat, auch praktisch umsetzen. Dazu gehörten Tätigkeiten, wie aus selbst gesammelten Wildkräutern Pesto herzustellen, Einkochen von Sirup in verschiedenen Geschmacksrichtungen für hausgemachte Schorlen, Marmelade kochen, Gespräche mit Kunden und natürlich auch der Verkauf unserer Produkte.

Als dann kurze Zeit später dringend Personal für den Hofladen gesucht wurde, hat Angy in Absprache mit Klaus eine Bewerbung für diese Stelle abgegeben und durfte nach kurzer Zeit und ordentlicher Übergabe ihrer Aufgaben in den Laden wechseln. Mit dem Wechsel entschied sie sich auch sehr schnell für eine Ausbildung zur Verkäuferin.

Witzigerweise hat Angys Oma, die in früheren Zeiten drei eigene Läden betrieben hat, schon in ihrer Kindheit immer wieder prophezeit:

„Mein Mädchen, du wirst mal Verkäuferin und übernimmst meine Geschäfte.”

Angy hat einen großen Teil ihrer Kindheit bei der Oma und dadurch auch in den Läden verbracht. Leider ist die Oma schon seit über zehn Jahren tot und konnte den Tag der so großartig bestandenen Abschlussprüfung zur Verkäuferin nicht mehr miterleben. Doch Angy ist sich sicher, dass ihr die Oma vom Himmel aus zugesehen hat und sehr stolz auf sie ist.

Der Weg zum Abschluss war nicht immer rosig. Die ersten Qualifizierungsbausteine der Ausbildung hat Angy zwar Stück für Stück abgearbeitet, doch irgendwann, ungefähr nach der Halbzeit, verfiel sie in ein Tief und hatte keine Motivation mehr, weiterzumachen.

Genau in der Zeit hat einer ihrer neuen Kollegen, Andrej, immer wieder vor ihren Augen für seine Abschlussprüfung zum Koch gelernt. Oft sah sie ihn in seiner Freizeit lernen, was ihr irgendwann einen Motivationsschub verliehen hat und sie machte mit der Ausbildung weiter.

Angy sagt von sich, dass sie keine „Leseratte“ ist, das Lernen aus Texten fällt ihr schwer. Um sich das geforderte Wissen trotzdem anzueignen, hat sie sich alle Texte auf ihr Smartphone gesprochen und immer vor dem Einschlafen auf „Play“ gedrückt, in der Hoffnung, dass sich die Inhalte im Schlaf ins Unterbewusstsein einprägen. Der Plan scheint recht gut aufgegangen zu sein …

Drei Monate vor der Abschlussprüfung kam eine ziemliche Panik auf. Sie hatte Angst, die Prüfung nicht zu bestehen. Angys Pflegemutter hat ihr immer wieder versichert, dass sie die besondere Stärke hat, sich auf den letzten Drücker wichtige Inhalte sehr gut merken zu können. Ihre Ausbilderin hat ebenfalls versucht, sie etwas zu beruhigen und hat immer wieder erwähnt, dass sie sich vermutlich nur ärgern wird, wenn sie mit einem Punkt an einer Eins vorbeischlittert – andere Bedenken gab es da eher nicht.

Mithilfe einer App ist Angy alle möglichen Prüfungsfragen immer wieder durchgegangen. Jede freie Minute wurde zum Wiederholen genutzt.

Am Prüfungstag waren Aufregung, Unsicherheit und Unruhe besonders stark, doch sie beruhigte sich relativ schnell, als sie die Prüfer kennenlernte.

Einer hat sie besonders beeindruckt. Überall tätowiert, mit Rastazöpfen im Bart, erzählte er, dass er mehrere Geschäfte leitet. Sie dachte nur: „Klasse, was für coole Leute erfolgreich sind – es müssen nicht immer Schlips und Kragen sein.“

Das Ende vom Lied:

  • Verkauf und Werbemaßnahmen: 2
  • Warenwirtschaft und Kalkulation: 1
  • Wirtschaft und Sozialkunde: 1

Herzlichen Glückwunsch also zu der hervorragenden Leistung Angy!

Adriane Chraplewski Portrait

Unsere Autorin

Adriane Chraplewski
Bereichsleiterin Vermarktung Hof Fleckenbühl

a.chraplewski@diefleckenbuehler.de

Adriane ist langjährige und engagierte Fleckenbühlerin. Ihr liegen die Tiere auf dem Hof und die Vermarktung der hofeigenen Produkte am Herzen. Als Mitglied im Vorstand gestaltet sie die Geschicke der Gemeinschaft mit.

Artikel teilen:

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Wir versenden etwa monatlich Neuigkeiten aus der Welt der Fleckenbühler, lebendige Geschichten und exklusive Inhalte für Leserinnen & Leser.